Fares Al-Dhahabi
Die Geschichte der heißen Getränke in unserer Region gleicht einem gewundenen Weg, der von Migration, Handel und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wurde. Der Kaffee gelangte aus dem Jemen in den Nahen Osten. Hirten und Sufis verbreiteten ihn, bevor er zu einem festen Bestandteil der arabischen Morgenkultur wurde. Der Tee kam mit Händlern aus Indien und China, eine leichte Pflanze, an die man sich schnell gewöhnte. Er hielt Einzug in Haushalte und Cafés und wurde Teil der täglichen Lebensart. Mate hingegen gelangte über einen anderen Weg in die Levante: Rückkehrer aus Lateinamerika brachten das Getränk Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit. Es kam begleitet von einem ungewohnten Ritual und einer langsamen Phase der Eingewöhnung, bis es sich schließlich einen eigenen Platz innerhalb der regionalen Bräuche eroberte.
Der Kaffee fand trotz seiner intensiven Wirkung relativ leicht Eingang in die arabische Welt. Von Jemen gelangte er in den Hedschas und anschließend nach Damaskus, Istanbul und Kairo, wo er schließlich zu einem Symbol des städtischen Lebens wurde. Seine einfache Zubereitung erleichterte seine Verbreitung: Rösten, Mahlen und Aufkochen.
Auch Tee benötigt kaum mehr als Blätter, die in heißes Wasser gelegt werden. Dadurch passten sich beide Getränke problemlos an den Rhythmus des Haushalts, die wirtschaftlichen Bedingungen des Alltags und die Vorlieben für einfache und wiederholbare Gewohnheiten an. Mate hingegen kam mit einem wesentlich detaillierteren Ritual: Wasser mit kontrollierter Temperatur unterhalb des Siedepunkts, ein aus getrocknetem Kürbis gefertigtes Gefäß sowie ein Metall- oder Holzhalm, die sogenannte „Bombilla“. Hinzu kommt eine besondere Art des Befüllens, Eingießens, Trinkens und Weiterreichens. Die erste Füllung wird häufig ausgegossen, da die Mateblätter zunächst an der Oberfläche schwimmen. Danach beginnt das eigentliche Ritual, bei dem die Aufnahme des Koffeins einen sozialen Rhythmus erhält, der sich von Tee und Kaffee unterscheidet.
Allein die Rituale rund um Mate vermitteln dem Neuling das Gefühl, an einer Gewohnheit mit eindeutig gemeinschaftlichem Charakter teilzunehmen. Das Getränk braucht einen Ort, Zeit und Gesellschaft und verleiht dem Zusammensein die Form eines beinahe vollständigen sozialen Rituals. Natürlich kann Mate auch allein getrunken werden, doch seine stärkste Bedeutung entfaltet sich im gemeinsamen Trinken. In Dörfern und Bergregionen wird die „Kalebasse“ von einer Person zur nächsten weitergereicht. Jeder trinkt der Reihe nach, bevor sie erneut gefüllt wird. Auf diese Weise wird die gemeinsame Runde zu einem kleinen Moment der Verbundenheit und symbolischen Verwandtschaft zwischen den Trinkenden, als würde die Kalebasse sie innerhalb einer gemeinsamen Linie vereinen.
Hier zeigt sich die Besonderheit von Mate besonders deutlich. Tee steht für Entspannung, Gespräche, Regen und Abendstunden; Kaffee verbindet man mit Wachheit, Arbeit und Anregung. Mate dagegen ist stärker mit sozialer Gewohnheit und regionaler Zugehörigkeit verbunden. Argentinien, Paraguay und Brasilien trugen dazu bei, in bestimmten Regionen der Levante eine neue Identität zu prägen, während die levantinische Umgebung Mate wiederum an die eigenen lokalen Traditionen anpasste.
Aus einem Getränk, das von Rückkehrern mitgebracht wurde, entwickelte sich ein deutliches regionales Erkennungsmerkmal. Mate verbreitete sich in den Bergen der syrischen Küstenregion, im Libanongebirge, in der Qalamun-Region, im Dschabal al-Arab sowie in Teilen Jordaniens und Palästinas. In den großen Städten, Ebenen und Wüsten blieb seine Präsenz dagegen begrenzter. Die geografische Verbreitung scheint beinahe die Geografie seiner Trinkenden widerzuspiegeln.
Tee und Kaffee verbreiteten sich in der gesamten Region, während Mate einen stärker abgegrenzten sozialen Kreis bewahrte. Innerhalb dieses Kreises entstand eine enge Verbindung zwischen dem Getränk und der lokalen Identität. Mate-Trinker zeigen ihre Verbundenheit damit, indem sie das Getränk in Taschen, Autos, Büros und auf Reisen mitnehmen und ihre Wahl selbstbewusst zum Ausdruck bringen.
Der Satz „Ich trinke Mate“ trägt eine Bedeutung, die über Geschmack und persönliche Vorlieben hinausgeht. Er verweist auf gemeinschaftliche Aktivitäten, Region, Gruppe und soziales Gedächtnis. Manchmal genügt bereits die Kalebasse in der Hand eines Menschen, um darin ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer unsichtbaren kulturellen Gemeinschaft zu erkennen, die sich symbolisch zwischen dem Nahen Osten und Lateinamerika erstreckt.
Noch deutlicher wird diese Bedeutung im Stolz der Mate-Trinker auf die Verbindung zwischen den Kontinenten. Sie verbinden Mate mit Argentinien und Lateinamerika durch weithin bekannte Symbole wie Che Guevara, Messi, Fußballstars, Bilder des Aufbegehrens und die Erfahrungen von Migranten. Mate bietet ihnen ein kleines Fenster zu einer anderen Welt und verwandelt ein familiäres Getränk in eine symbolische Brücke zu einer umfassenderen Identität.
Mit jeder weitergereichten Kalebasse entsteht eine kulturelle Verbindung zu Millionen von Menschen in Südamerika, die dieselbe Tradition teilen. Mate erscheint dadurch beinahe wie eine Bruderschaft mit eigener Sprache, eigenen Werkzeugen und eigenen Begriffen.
Weil die Verbindung zur Identität stärker ist als die reine Verbindung zum persönlichen Geschmack oder zur Stimmung, ist die geografische Verbreitung von Mate auf bestimmte Regionen konzentriert geblieben. Sie ist vor allem mit Bergen und den Gemeinschaften rund um größere Zentren verbunden, während Tee und Kaffee Städte, ländliche Gebiete, Ebenen und Wüsten gleichermaßen prägen. In Cafés und Restaurants ist Mate weniger präsent; seinen eigentlichen Charakter entfaltet es in Wohnzimmern, auf Balkonen, bei Treffen unter Freunden und in den Versammlungsräumen der Dörfer. Diese Nähe zu familiärer Wärme und freundschaftlichem Beisammensein hat ihm eine starke lokale Besonderheit verliehen und seinen Weg zu einer weltweiten Verbreitung langsamer gemacht als den von Kaffee und Tee.
Die Beziehung von Mate zu den anderen Getränken ist durch eine ungleiche Überschneidung gekennzeichnet. Ein Mate-Trinker konsumiert häufig auch Tee und Kaffee und nimmt an allen drei Trinkgewohnheiten teil, während die Kreise von Tee- und Kaffeetrinkern auch Menschen außerhalb der Mate-Kultur umfassen. Dadurch erscheint die Mate-Gemeinschaft zugleich klein und tief verwurzelt. Der Zugang zu ihr erfolgt meist über Familie, Freundschaft oder das Leben in einer Region, in der Mate zu einem Bestandteil der häuslichen Tradition geworden ist. Daher entsteht der Eindruck, dass die Übernahme dieser Gewohnheit einer Aufnahme in einen privaten Club oder einen kulturellen Stamm gleicht, in dem die Tradition eher durch Gesellschaft und Weitergabe als durch Werbung oder vorübergehende Neugier vermittelt wird.
Diese Besonderheit verleiht Mate eine dritte Position zwischen Tee und Kaffee. Mate erscheint als eine Strömung, die Zugehörigkeit ins Zentrum der Erfahrung stellt. Es bildet einen eigenständigen Raum innerhalb der Kultur der Tischgetränke und versteht das Getränk als Mittel, um Verbindungen zwischen Menschen aufzubauen. Für manche seiner Liebhaber verkörpert Mate eine mögliche dritte Zukunft in der alltäglichen Getränkekultur – eine Zukunft, deren Stärke aus Gemeinschaft, Ritual und gemeinsamem Gedächtnis entsteht.
Im Kern der Mate-Erfahrung geht das Getränk über Geschmack, Koffeingehalt und Wirkungsgeschwindigkeit hinaus. Es ist eine soziale Gewohnheit, die das Getränk begleitet und ihm seine vollständige Bedeutung verleiht. Für manche Menschen mag sein Geschmack bitter und an Heilkräuter erinnernd wirken. Dennoch bleibt seine Bedeutung aufgrund der starken sozialen Bindung, die es trägt, erhalten. Die Kalebasse wird zu einem Identitätszeichen, und Menschen, die diese Gewohnheit teilen, erkennen einander schnell – als wären sie Bewohner einer einzigen symbolischen Stadt, die geografisch zwischen der Levante und Argentinien verteilt ist.
Die Untersuchung der historischen Wurzeln von Mate offenbart eine tief verwurzelte Tradition der südamerikanischen Geschichte. Ihre Anfänge reichen zu den Guaraní- und Tupi-Völkern in der Region des heutigen Paraguay zurück. Diese Gemeinschaften legten die Blätter des Strauchs Ilex paraguariensis, der später als „Yerba Mate“ bekannt wurde, in warmes Wasser ein und bereiteten daraus ein bitteres Getränk mit anregenden und rituellen Eigenschaften zu, das körperliche Wachheit mit geistiger Erhebung verband. Auch die Bezeichnung „Mate“ besitzt




