Ibrahim Al-Jabin
Die Welt war klein. Wir glaubten, dass der Mond auf dem Dach unseres Hauses wohnte, dass die Sonne durch das Fenster hereinkam und dass der alte Schornstein ursprünglich gebaut worden war, um dem Graureiher als Nest zu dienen. Dieser Reiher allein war die maßgebliche Instanz, wenn es um seine Existenz oder Nichtexistenz ging. Dabei besaß er weder religiöse noch irgendeine andere Autorität. Er hatte lediglich sein weißes Gefieder und jene Traurigkeit, die er auf seiner Wanderung aus Tausenden von Kilometern Entfernung mit sich brachte.
Die Welt wurde größer. Wir begannen zu glauben, dass der Mond ein winziges, viel zu unbedeutendes Ding sei, um auf dem Dach unseres Hauses zu wohnen, und dass die Sonne eine Feuerkugel sei, die nicht durch die Gitterstäbe des Fensters dringen könne. Der Graureiher kam nicht mehr. Man hatte den alten Schornstein und das Haus abgerissen, und an ihrer Stelle waren neue Wohnblocks entstanden. Als ich nachfragte, erfuhr ich, dass der Reiher und seine Artgenossen ihre Zugroute geändert hatten. Das ging aus einer Studie hervor, die ein Forscherteam unter der Leitung von Andrea Flack vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Deutschland mithilfe des Globalen Positionsbestimmungssystems (GPS) durchgeführt hatte. Diese Vogelschwärme zogen nicht mehr über unser Land hinweg, um sich den Anblick von Dingen zu ersparen, die ihnen missfallen könnten.
Noch wichtiger aber war, dass die Wissenden sich bemüßigt fühlten, uns aufzuklären: Der Vogel, der auf Schornsteinen nistete, war gar nicht der Graureiher gewesen. Der Graureiher bevorzugte kleine Seen am Rande der Städte und auf dem Land als Nistplätze. Es war der Storch, der sich auf den Schornsteinen niederließ.
Ich bin nicht der Einzige, der den Graureiher mit dem Storch verwechselt hat. Erst vor zwei Tagen erklärte Nidal Qassoum, ein ehemaliger Forscher der NASA, dass das Internet, anstatt ein Mittel zur Übermittlung von Informationen zu sein, inzwischen zu einem Medium für die Verbreitung wissenschaftlich falscher Informationen geworden sei.
Zu diesen Fehlinformationen gehört die Behauptung, die vier Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – würden auf unserem Planeten deshalb aufeinanderfolgen, weil sich die Erde der Sonne nähere oder sich von ihr entferne. Das ist vollkommen falsch. Wäre es tatsächlich so, müsste angesichts der Tatsache, dass sich die Erde alle 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse dreht, derzeit der gesamte Planet Winter erleben und nicht nur dieser oder jener Teil der Erde. Tatsächlich ist die Neigung der Erdachse dafür verantwortlich.
Doch damit nicht genug. Die moderne Wissenschaft erschüttert heute auch unsere fest verwurzelten Überzeugungen über die Tierkreiszeichen, die Planeten und deren Beziehung zum Menschen. Es stimmt zwar, dass unser Körper zu etwa 80 Prozent aus Wasser besteht. Daher könnte man annehmen, dass auf ihn dieselben Gesetzmäßigkeiten zutreffen wie auf das Meerwasser, dessen Gezeiten davon beeinflusst werden, wie nah oder fern der Mond ist. Doch im Vergleich zu den Himmelskörpern ist der menschliche Körper verschwindend klein, sodass es in ihm keine Gezeiten geben kann.
Ein weiteres weitverbreitetes Missverständnis lautet, dass Mikrowellengeräte schädliche Strahlungswirkungen hätten. Auch das ist nichts weiter als eine Illusion.
Was die Milch betrifft, so erklärt uns die moderne Wissenschaft, dass sie Knochen und Zähnen nicht allein deshalb nützt, weil sie reich an Kalzium ist. Tatsächlich versuchen die Knochen selbst, der starken Säure der Milch entgegenzuwirken, weshalb sie mehr Kalzium produzieren.
Doch die wohl schmerzlichste Fehlinformation ist die Behauptung, Sonnenblumen würden sich nicht nach der Sonne ausrichten, sondern stets nach Osten zeigen.
Wie vieles von dem, was wir als selbstverständlich hinnehmen, müssen wir also noch einmal überdenken – unsere vertrauten Informationen ebenso wie unsere festgefahrenen Vorstellungen.
Doch die Welt war klein, und wir lauschten die ganze Nacht hindurch dem Geräusch des fallenden Schnees und der Stimme des Graureihers, der sein Nest auf dem Schornstein flocht.







