Archäologische Schätze Nordsyriens – Ein kulturelles Erbe, das trotz aller Herausforderungen Bestand hat
Die Regionen Nordsyriens beherbergen ein reiches archäologisches Erbe aus der römischen und byzantinischen Epoche. Zu den bedeutendsten Stätten zählen die Dörfer Schinschrah und Sergilla sowie die antike Stadt Ebla, die vor dem Jahr 2011 zu den wichtigsten touristischen Zielen Syriens gehörten und Besucher aus dem In- und Ausland anzogen. Der Krieg verwandelte diese Orte jedoch in gefährliche Gebiete, da entlang der ehemaligen Frontlinien zwischen den Regimekräften und der Opposition zahlreiche Minen verlegt wurden. Dies erschwerte den Zugang zu den Stätten, stoppte Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten und führte zusätzlich zu Vandalismus sowie illegalen Grabungen.
Die Provinz Idlib umfasst zahlreiche antike Städte, die als „vergessene Städte“ bekannt sind, daneben bedeutende Stätten wie Ebla und das Museum von Maʿarrat an-Numan. Auch die Provinz Aleppo beherbergt wichtige historische Wahrzeichen, darunter die Zitadelle von Aleppo und den Tempel von Ain Dara. Angesichts der anhaltend schwierigen Sicherheits- und Wirtschaftslage haben Plünderungen und der illegale Handel mit Antiquitäten stark zugenommen, wodurch ein erheblicher Teil des syrischen Kulturerbes bedroht ist.
In einem Gespräch mit der Nachrichtenplattform Damaskus erklärte der Archäologieexperte Mohammed al-Omar, dass das Dorf Schinschrah, auch bekannt als „Stadt der Freude“ oder „Nachbarin des Mondes“, zu den bedeutendsten antiken Dörfern im Gebiet Dschabal az-Zawiya zählt. Dieses Gebiet umfasst rund 800 archäologische Dörfer, die unter dem Namen „Kalksteindörfer“ bekannt sind. Er erläuterte, dass die Region bedeutende historische Orte wie Baʿuda, Rabia, Dschalla, Abaschla und al-Bara umfasst.
Al-Omar fügte hinzu, dass Schinschrah und die umliegenden Dörfer zwischen dem ersten und siebten Jahrhundert n. Chr. errichtet wurden und einen römisch-byzantinischen Baustil aufweisen. Das Dorf beherbergt mehrere historische Kirchen, darunter die Nordkirche, die auf den Ruinen eines jüdischen Tempels errichtet wurde. Zudem gibt es einen dreistöckigen Wachturm, der teilweise zerstört wurde und von dem nur noch zwei Stockwerke erhalten sind. Darüber hinaus befinden sich im Dorf das Grab eines griechischen Philosophen sowie eine kleine Moschee aus der ayyubidischen Epoche.
Zum Ausmaß der Zerstörung erklärte al-Omar gegenüber der Plattform Damaskus, dass frühere Studien mehr als 800 historische Häuser dokumentierten. Heute seien jedoch infolge der aufeinanderfolgenden Kriege und der Bombardierungen der vergangenen Jahre nur noch etwa 150 Häuser erhalten geblieben. Er ergänzte, dass die Bewohner die antiken Gebäude während der intensiven Angriffe als Schutzräume genutzt hätten.
Er betonte zudem, dass der aktuelle Zustand des Dorfes das Ausmaß der Herausforderungen widerspiegele, denen der Schutz des archäologischen Erbes Syriens angesichts anhaltender Schäden und fehlender Mittel für Restaurierung und Sicherung ausgesetzt sei.
Im selben Zusammenhang erklärte Ahmad al-Yahya, ein Bewohner eines benachbarten Dorfes, gegenüber der Nachrichtenplattform Damaskus, dass das archäologische Gebiet früher ein beliebter Erholungsort für die Einwohner der umliegenden Dörfer gewesen sei, insbesondere im Frühling. Damals hätten sich die Menschen dort zu Ausflügen und gesellschaftlichen Aktivitäten getroffen. Zudem habe der Ort ausländische Besucher aus europäischen Ländern und anderen Regionen angezogen, die über schwierige Bergwege mit Eseln und Maultieren dorthin gelangten.
Al-Yahya erinnerte sich an Szenen, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben sind, darunter der Moment, in dem eine ausländische Besucherin vor einem antiken Palast in Tränen ausbrach, weil sie den Ort als Teil der Geschichte ihrer Vorfahren betrachtete. Er schilderte, dass die Bewohner dort einst besondere gesellschaftliche Momente verbrachten, bevor der Krieg das Erscheinungsbild der Region vollständig veränderte.
Er bestätigte außerdem, dass die Bombardierungen große Teile der Region zerstörten, darunter auch einen Brunnen, der für die Bevölkerung eine wichtige Lebensgrundlage darstellte. Die Angriffe hätten sowohl Zivilisten als auch Vieh getroffen, und das Gebiet sei bereits in den ersten Jahren des Konflikts zu einem militärischen Schauplatz geworden.
Trotz des Ausmaßes an Zerstörung und Vernachlässigung stellen diese Orte weiterhin einen bedeutenden Teil der historischen und kulturellen Erinnerung Syriens dar. Gleichzeitig werden die Forderungen nach einem Eingreifen internationaler Organisationen – insbesondere der UNESCO – immer lauter, um das verbliebene Kulturerbe zu schützen, vor allem angesichts der fortbestehenden Minengefahr und der zivilen Opfer bei Besuchen der archäologischen Dörfer.






















