Von Dr. Abdul Qader Al-Mulla
In Syrien kann nicht einmal ein Schuhputzer seiner Arbeit nachgehen, ohne der Kontrolle durch Geheimdienste und Sicherheitsapparate ausgesetzt zu sein. Wie kann also ein künstlerisches Werk Neutralität und Objektivität für sich beanspruchen, während die syrischen Geheimdienste die Kunst als eine Waffe eingesetzt haben, die den Fassbomben gleichkommt, und sie in ihrem erbitterten Kampf gegen die syrische Revolution instrumentalisierten?
Sämtliche künstlerischen Produktionen, die vom Regime selbst geschaffen oder seit 2011 unter seiner Aufsicht produziert wurden, dienten als unverzichtbare Stützen des Systems und als verlässliche Verbündete bei der Festigung seiner Darstellung der Ereignisse. Dies geschah entweder offen und direkt oder durch die gezielte Manipulation dramatischer Handlungsstränge – selbst in Werken mit sozialem oder emotionalem Schwerpunkt. Auch historische Fernsehserien blieben von solchen ideologischen Projektionen kaum verschont. Jedes künstlerische oder kulturelle Werk, das diese Voraussetzung nicht erfüllte, hatte innerhalb Syriens praktisch keine Chance auf Realisierung.
Das Regime stellte regelrechte Künstlerbrigaden auf. Die bekannteste von ihnen wurde von Najdat Anzour angeführt. Sie erhielt umfassende Unterstützung und Schutz, um ihre Aufgabe zu erfüllen: Ereignisse zu verfälschen, Tatsachen ins Gegenteil zu verkehren und Täter zu Opfern umzudeuten. Fast alle regimetreuen Künstler folgten Anzours Beispiel, und auch Laith Hajjou blieb diesem Kurs nicht fern. In den vergangenen Jahren inszenierte er Serien, die den Anschein von Neutralität erwecken sollten, wie etwa Wir werden bald zurückkehren (Sanʿūd Baʿda Qalīl). Die Botschaft dieser Produktionen diente jedoch stets derselben einseitigen Front, die regimenahe Künstler von ihren Drehorten aus gegen die Revolution eröffnet hatten.
Heute präsentiert Hajjou seinen neuen Film Die Nabelschnur (Al-Habl Al-Surri), geschrieben von Rami Koussa und gemeinsam mit zehn weiteren Filmen von der Europäischen Union im Rahmen ihrer Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen finanziert. Mit diesem Werk reist er durch verschiedene Hauptstädte der Welt und trägt nach Auffassung des Autors ein falsches Zeugnis vor. Dabei sucht er nach neuem künstlerischem Ruhm auf den Trümmern seines zerstörten Landes, seines vertriebenen Volkes und des Blutes von Millionen Menschen, die für ein neues Syrien Opfer brachten. In all dem Töten, der Zerstörung, dem Leid und der tiefen gesellschaftlichen Spaltung der syrischen Tragödie scheint Hajjou vor allem eine Gelegenheit für künstlerischen und finanziellen Erfolg sowie für eine engere Annäherung an die Machtstrukturen von Vertreibung und Gewalt gesehen zu haben – insbesondere nach seiner Scheidung von der Leiterin des Büros von Asma al-Assad.
Hajjou beschränkt sich nicht auf die künstlerische Ebene allein. Er verbirgt sich hinter einer angeblich humanistischen Perspektive, ähnlich wie ein Täter sich hinter seinen eigenen Fingern versteckt. Er versucht, als neutraler Zeuge zu erscheinen, der dem unterdrückten Bürger beisteht – unabhängig davon, wer der Unterdrücker ist – und der jede Form des Tötens verurteilt, unabhängig davon, wer der Täter ist. Dabei blendet er aus, dass sein Name regelmäßig an der Spitze der Gästelisten für Treffen Bashar al-Assads mit Künstlern sowie für offizielle Einladungen zu staatlichen Veranstaltungen erscheint.
Um seine Neutralität zu demonstrieren, wählt Hajjou eine syrische Region, die unter den Folgen des „Krieges“ leidet. In seiner Darstellung interessiert er sich jedoch kaum für die Konfliktparteien oder die Frage, wer gegen wen kämpft. Stattdessen richtet er seinen Blick auf die Auswirkungen des Konflikts auf gewöhnliche Menschen ohne politische Zugehörigkeit, die selbst keine Akteure des Konflikts sind.
Zu sehen ist ein zerstörter Ort und gewöhnliche Menschen, die versuchen zu überleben. Doch ein Scharfschütze verfolgt sie unerbittlich und verwehrt ihnen jede Möglichkeit eines normalen Lebens.
Um die Dramatik der Handlung zu steigern, stützt sich Hajjou auf eine besonders menschliche Situation, die in starkem Gegensatz zu jener Kultur des Todes steht, die die syrische Realität in den vergangenen Jahren geprägt hat. Dadurch versucht er, sich als Verteidiger des Lebens darzustellen. Im Mittelpunkt des Films steht eine hochschwangere Frau, die mit ihrem Ehemann in einem zerstörten Viertel lebt. Dieses wird von einem Scharfschützen kontrolliert, der die Bewohner beobachtet und sie daran hindert, ihre Häuser zu verlassen – selbst wenn sie lediglich die Straße überqueren wollen.
Die Bewohner ertragen den Druck, der aus der ständigen Bedrohung durch den Scharfschützen entsteht. Sie bleiben in ihren Häusern und tauschen Lebensmittel mithilfe einer provisorischen Vorrichtung mit ihren Nachbarn aus. Schließlich kommt jedoch der entscheidende Moment: Die schwangere Frau muss die Straße überqueren, um Hilfe bei der Entbindung zu erhalten. Doch der mörderische Scharfschütze – erfüllt von Hass auf das Leben und scheinbar tötend um des Tötens willen – verweigert selbst diese menschliche Ausnahme.








