Damaskus News Plattform – nach Angaben von Syria Today
Das Kulturministerium hat kürzlich die erste Ausgabe des „Al-Sham Magazins“ veröffentlicht, die verschiedene kulturelle, dialogorientierte und intellektuelle Themenbereiche umfasst. Der syrische Schriftsteller und Forscher Islam Abu Shakir beteiligte sich mit einem tiefgehenden analytischen Beitrag unter dem Titel: „Die syrische kulturelle Identität: Schadensbehebung und Bestimmung der Verantwortlichkeiten“.
In seinem Beitrag präsentierte Abu Shakir eine mutige Diagnose dessen, was er als das „größte Dilemma“ der syrischen revolutionären und intellektuellen Szene bezeichnete: das Fehlen einer klaren und präzisen Definition der syrischen Identität als solide Grundlage für den öffentlichen Diskurs. Er betonte, dass dieses Fehlen nicht bedeute, dass keine Identität existiere, sondern vielmehr das Ergebnis des Scheiterns objektiver Projekte infolge jahrzehntelanger politischer und ideologischer Dominanz sei.
Politik der systematischen Verzerrung und Marginalisierung
Der Artikel beleuchtet die katastrophalen Praktiken, denen die syrische Kulturszene seit 1970 ausgesetzt war, und verweist auf Mechanismen der Zerstörung, die verschiedene kreative Bereiche betroffen haben:
Literatur und Poesie: Die Verdrängung und Auslöschung der frühen kulturellen Pioniere, die das Bewusstsein des syrischen Staates in seiner Gründungsphase verkörperten (wie Khalil Mardam Bey, Badawi al-Jabal und Khair al-Din al-Zirikli), sowie deren Ersetzung durch eine „künstlich geschaffene Elite“, die auf Loyalität sowie konfessionellen oder parteipolitischen Kriterien statt auf kreativem Wettbewerb basierte.
Kunst und Theater: Die Umwandlung akademischer und produktiver Institutionen (wie des Höheren Instituts für Theaterkunst) in Werkzeuge zur Selektion von Künstlern und zur Förderung kultureller Aushängeschilder aus bestimmten Milieus auf Kosten talentierter Persönlichkeiten aus anderen Städten und Regionen.
Musik und Volkserbe: Die Förderung einer herablassenden und stereotypen Haltung gegenüber der Kultur und Musik der Randregionen (wie Euphratgebiet, Steppe, Hauran und kurdische Gemeinschaften), wobei deren Dialekte und traditionelle Kleidung als Gegenstand von Spott und Lächerlichkeit dargestellt wurden, um sie gesellschaftlich zu isolieren.
Geschichte und Archäologie: Die Konzentration auf die Zivilisationen der syrischen Küstenregion als einziges Symbol der Identität, während das bedeutende historische Erbe der Kulturen im Euphrattal (Mari, Dura Europos), im Norden Syriens (Ebla, die Toten Städte) sowie im Süden marginalisiert und verkleinert wurde.
Die kurdische Frage: Der Autor bezeichnete die Unterdrückung der kurdischen Identität, die Verweigerung sprachlicher und kultureller Rechte sowie das Verbot kreativer Aktivitäten als „das schlimmste Verbrechen“. Ziel sei gewesen, diese alte Identität in einem engen ideologischen Rahmen aufzulösen, anstatt sie als ursprünglichen Bestandteil des syrischen Gesellschaftsgefüges zu würdigen.
Ein Fahrplan zur Schadensbehebung
Zum Abschluss seines Artikels betonte Abu Shakir, dass die Reparatur der tiefen Schäden an der syrischen Identität Jahrzehnte intensiver Arbeit und den Mut zur offenen Aufarbeitung erfordere. Dabei definierte er die zukünftigen Verantwortlichkeiten entlang von vier zentralen Wegen:
Verantwortung des Staates: Förderung der Freiheiten, Unterstützung von Forschungszentren sowie Reform und Wiederaufbau des Bildungs- und Mediensektors, um gesellschaftliche Spannungen abzubauen.
Verantwortung zivilgesellschaftlicher und wissenschaftlicher Institutionen: Geschichte und Gegenwart mit wissenschaftlichem Blick neu zu analysieren, Illusionen zu entlarven und eine gemeinsame nationale Erzählung zu formulieren.
Verantwortung von Intellektuellen und Kulturschaffenden: Sich vom Erbe der Unterdrückung zu befreien, vergessene Pioniere wiederzuentdecken und die lokale Vielfalt (kurdisch, euphratisch, hauransch usw.) als authentischen Teil der Nation und nicht als folkloristische Randerscheinung zu feiern.
Verantwortung der syrischen Gesellschaft: Die schmerzhafte Vergangenheit in eine Lehre für die Zukunft zu verwandeln und den Blick auf eine gemeinsame Zukunft für alle Syrerinnen und Syrer zu richten.
Es sei erwähnt, dass das „Al-Sham Magazin“ mit seiner ersten Ausgabe neue Räume für einen intellektuellen und kulturellen Dialog eröffnen möchte, der auf einer mutigen und objektiven Analyse der syrischen Realität basiert.








