Damaskus Nachrichtenplattform – Nach Angaben der Zeitung Al-Thawra
Hussein Romani
Syrische Zeitung Al-Thawra: Das Kulturministerium veröffentlicht das erste Heft des „Al-Sham“-Magazins und belebt damit einen traditionsreichen Namen der syrischen Kulturszene neu
Das syrische Kulturministerium veröffentlichte am Donnerstag, dem 14. Mai 2026, die erste Ausgabe des monatlichen Magazins „Al-Sham“, das sich mit Denken, Literatur, Kunst und Kulturerbe beschäftigt. Mit einer analytischen und wissensorientierten Perspektive beobachtet das Magazin die syrische Kulturszene sowohl im Inland als auch international. In der Einleitung der Zeitschrift heißt es, sie gehe von der Vorstellung aus, dass Kultur „eine wirksame Kraft bei der Erzeugung von Bedeutung, beim Bewahren des kollektiven Gedächtnisses, beim Wiederaufbau des Bewusstseins und bei der Stärkung der Verbindung zwischen dem syrischen Menschen, seiner Geschichte, seiner Gesellschaft und seiner Zukunft“ sei.
Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe widmete sich der syrischen kulturellen Identität. Enthalten waren Studien und Artikel über den Wandel der Identität, die Macht der Erzählung, das kulturelle Gedächtnis, den Schutz des Kulturerbes, die Wiederherstellung kultureller Schäden sowie die Beziehung zwischen syrischer Literatur und Identität.
Darüber hinaus enthielt die Ausgabe einen Überblick über die kulturellen Errungenschaften des vergangenen Jahres sowie verschiedene Beiträge zu Theater und bildender Kunst. Junge Autorinnen und Autoren behandelten zudem aktuelle kulturelle Fragestellungen und gesellschaftliche Herausforderungen.
Das Magazin verfolgt damit das Ziel, eine direkte Verbindung zwischen den Leserinnen und Lesern und den Aktivitäten kultureller Institutionen herzustellen sowie Intellektuellen und Kreativen Raum zur Mitwirkung zu geben. Dies gilt als Ausdruck der Kontinuität des syrischen Kulturprojekts und der Erneuerung seiner Ausdrucksformen. Gleichzeitig trägt das Magazin den Namen „Al-Sham“, der eng mit den Anfängen der Pressegeschichte im späten 19. Jahrhundert verbunden ist.
Die Wiederbelebung des Namens „Al-Sham“ als Magazin mit Präsenz in der syrischen Kulturlandschaft macht es notwendig, auf eine frühere historische Schicht seiner Geschichte sowie der Geschichte des syrischen Journalismus zurückzublicken.
Die Wochenzeitung „Jaridat Al-Sham“ erschien Ende des 19. Jahrhunderts in einem journalistischen Umfeld, das sich erst allmählich formierte und seine ersten Schritte zur Etablierung des gedruckten Wortes im öffentlichen Leben machte.
Zu jener Zeit war die Presse in Damaskus Teil einer wachsenden urbanen und kulturellen Bewegung sowie ein Mittel zur Dokumentation, Berichterstattung und Darstellung lokaler Angelegenheiten – in einer Epoche, in der Druckereien und Zeitungen eine neue Bereicherung des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt darstellten.
Eine Wochenzeitung in ihrem historischen Kontext
Nach Angaben des Forschers Joseph Elias in seinem Buch Die Entwicklung der syrischen Presse in hundert Jahren (1865–1965), veröffentlicht 1982 beim Verlag Dar Al-Nidal in Beirut, entstand „Jaridat Al-Sham“ als Nachfolgerin der Zeitung „Dimashq“, die 1887 eingestellt worden war.
Die erste Ausgabe von „Jaridat Al-Sham“ erschien am 22. Juli 1896. Unter dem Titel stand der Zusatz: „Wissenschaftliche, politische und literarische Nachrichtenzeitung, die vorläufig jeden Dienstag erscheint.“ Damit gehörte sie zu den Zeitungen, die Ende des 19. Jahrhunderts erschienen und die Entwicklung journalistischer Arbeit in Damaskus widerspiegelten.
Die Zeitung erschien in arabischer Sprache und berichtete über Nachrichten aus der Provinz Al-Sham sowie über administrative und gesellschaftliche Angelegenheiten. Darüber hinaus veröffentlichte sie allgemeine kulturelle und bildungsbezogene Beiträge, entsprechend der Natur des frühen Journalismus jener Zeit.
Leitung und Pressekonzession
Unter der Rubrik „Leitung und Konzession“ der Zeitung wurde der Name Mustafa Wasif genannt. Laut Joseph Elias übernahm Wasif die Verantwortung für die Herausgabe der Zeitung innerhalb des damals geltenden organisatorischen Rahmens. Er war zudem Leiter der Druckerei der syrischen Provinz sowie Leiter der lithografischen Abteilung während der osmanischen Zeit.
Im journalistischen Kontext jener Epoche galt der „Konzessionsinhaber“ als rechtlich und organisatorisch verantwortliche Person der Zeitung. Dies verdeutlicht den administrativen Charakter der Presseerzeugnisse jener Zeit. Laut Dr. Shams al-Din al-Rifa‘i in seinem Buch Geschichte der syrischen Presse erschien die Zeitung bis zu ihrem letzten Tag wöchentlich und stellte ihre Veröffentlichung im Jahr 1908 nach der Verkündung der Verfassung ein. Dies fiel mit der Erkrankung ihres Eigentümers Mustafa Wasif zusammen.
Frühe Präsenz in der damaszener Presse
Der Name Muhammad Kurd Ali war früh mit „Jaridat Al-Sham“ verbunden. Er wurde Ende März 1876 in Damaskus geboren und erhielt seine Grundausbildung an der privaten Al-Hibal-Schule im Viertel Al-Qaymariyya. Anschließend besuchte er die Militär-Mittelschule und absolvierte seine Sekundarschulausbildung an der Lazaristen-Schule in Damaskus, wo er zugleich Türkisch und Französisch lernte.
Kurd Ali stand in Kontakt mit zahlreichen bekannten Gelehrten aus Damaskus und schöpfte aus deren Wissen und Literatur. Besonders prägend waren für ihn Scheich Tahir al-Jaza’iri, Scheich Muhammad al-Mubarak und Scheich Salim al-Bukhari. Bei ihnen studierte er Literatur, Sprache, Rhetorik, Rechtswissenschaft, Soziologie, Geschichte, Exegese und Philosophie.
Im Alter von siebzehn Jahren arbeitete Kurd Ali als Schreiber im Amt für auswärtige Angelegenheiten und übersetzte aus dem Französischen und ins Französische. Im Jahr 1897 wurde ihm die Redaktion der ersten in Damaskus erschienenen Zeitung mit dem Namen „Al-Sham“ übertragen, die als Wochenzeitung erschien. Er arbeitete dort drei Jahre lang.
Während seiner Tätigkeit veröffentlichte er verschiedene historische, gesellschaftliche und literarische Studien in der Kairoer Zeitschrift „Al-Muqtataf“, wodurch sein Name bekannt wurde und sein Ruf wuchs – wie die Arabische Sprachakademie in Damaskus berichtet.
Diese frühe Phase bildete einen wichtigen Teil seiner ersten journalistischen Erfahrungen, die sich später zu einem umfassenderen Engagement in den Bereichen Denken, Geschichte und Kultur entwickelten.
Aus der Betrachtung des syrischen Journalismus Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich „Jaridat Al-Sham“ als Wochenzeitung verstehen, die lokale Nachrichten aus Damaskus übermittelte, administrative Angelegenheiten behandelte, leichte kulturelle Beiträge zu Sprache und Allgemeinwissen veröffentlichte und alltägliche gesellschaftliche Themen verfolgte.
Die Sprache der Zeitung war ein klares und zugleich schlichtes Arabisch mit einer gewissen sprachlichen Eleganz, wodurch sie für ein breites Publikum in der Stadt zugänglich war.
Die Anfänge der Presseentwicklung
Damaskus erlebte in jener Zeit die allmähliche Herausbildung eines journalistischen Feldes, begleitet von der zunehmenden Nutzung des Druckwesens und dem wachsenden Interesse an journalistischem Schreiben. Dadurch entstanden Wochenzeitungen wie „Jaridat Al-Sham“.
Diese Zeitung trug dazu bei, den lokalen Leserinnen und Lesern eine neue Form öffentlicher Schreibkultur näherzubringen. Solche frühen Erfahrungen waren Teil eines schrittweisen Übergangs zu einer vielfältigeren Presse in den folgenden Jahrzehnten – sowohl hinsichtlich der Themen als auch der Stilformen und Publikationsweisen.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die syrische Presse zu vielfältigeren und unabhängigeren Formen weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden neue Zeitschriften und Zeitungen, darunter auch Muhammad Kurd Alis Zeitschrift „Al-Muqtabas“, die als bedeutende Station in der Entwicklung der intellektuellen Presse der Region gilt.
„Jaridat Al-Sham“ bleibt jedoch Teil der ersten Gründungsphase, die später den Weg für diese Vielfalt in der syrischen Medienlandschaft ebnete.
Heute kehrt „Al-Sham“ nach mehr als einem Jahrhundert Abwesenheit zurück – diesmal als Magazin im Fokus des syrischen Kulturministers Muhammad Yassin Saleh. Seine Ankündigung auf der Plattform „X“ erhielt dabei eine symbolische Bedeutung, als er schrieb:
„Mit großem Stolz veröffentlichen wir erneut ‚Al-Sham‘, die im Jahr 1897 in Damaskus als Zeitung erschien und unter der Leitung des bedeutenden Gelehrten und Ministers Muhammad Kurd Ali stand. Das Magazin ‚Al-Sham‘ erscheint unter der Herausgeberschaft des Kulturministeriums und wird in dessen Druckereien produziert. Es ist ein Magazin für Denken, Literatur, Kunst und die Belebung des kulturellen Lebens.“
Diese Ankündigung markiert den zeitgenössischen Moment der Wiederbelebung des Namens „Al-Sham“ als kulturelles Magazin für Denken, Literatur und Kunst. Dadurch entsteht eine symbolische Linie der Kontinuität, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und demselben Namen innerhalb eines sich stetig erneuernden kulturellen Kontextes neues Leben verleiht.








