Dimasheq
Die israelische Zeitung Maariv veröffentlichte am Freitag einen Bericht über den schwindenden Rückhalt Israels in den Vereinigten Staaten und warnte vor einem tiefgreifenden Wandel der öffentlichen Meinung in den USA. Auffällig an dem Bericht ist jedoch vor allem die scharfe Polemik gegen Katar und den arabischen Intellektuellen Azmi Bishara, denen die Zeitung die Verantwortung für eine angeblich organisierte Kampagne zur Schwächung der internationalen Stellung Israels zuschreibt.
Der Bericht bezeichnet Bishara als gefährlicher für Israel als die Türkei und der Iran zusammen. Ihm wird unterstellt, Einfluss auf die öffentliche Meinung in den USA auszuüben und dazu beizutragen, dass Israel zunehmend als Belastung und nicht mehr als strategischer Verbündeter der Vereinigten Staaten wahrgenommen werde. Gleichzeitig macht der Bericht auch Israel selbst teilweise für diese Entwicklung verantwortlich und verweist auf ein „übermäßiges Gefühl der Selbstzufriedenheit“ sowie darauf, dass feindliche Strömungen über Jahre hinweg unterschätzt worden seien. Nach Ansicht des Autors stelle dieser Rückgang inzwischen eine existenzielle Bedrohung dar und erfordere eine umfassende politische und mediale Kampagne zur Wiederherstellung der amerikanischen Unterstützung.
Neben einem Foto von Bishara trägt der Beitrag des Juristen und ehemaligen Knesset-Abgeordneten Michael Kleiner – seit Juli 2013 Vorsitzender des Likud-Gerichts – den Titel: „Der Kampf um Amerika – So werden wir das Projekt zur Isolierung des Staates Israel vereiteln, das vom ehemaligen Knesset-Mitglied Azmi Bishara angeführt wird – ein Feind, der gefährlicher ist als Erdoğan und Chamenei zusammen.“
Kleiner schreibt, dass die Unterstützung der amerikanischen Juden seit der Gründung Israels als strategischer Eckpfeiler gegolten habe. Er behauptet, das sogenannte „Öl-Waffen“-Instrument der Golfstaaten habe lange Zeit eine Bedrohung für Israels Interessen dargestellt, während der politische Einfluss der jüdischen Gemeinschaft in den USA dieses Gleichgewicht zugunsten Israels gesichert habe.
Im weiteren Verlauf beschreibt der Autor die Entwicklung der amerikanisch-israelischen Beziehungen unter verschiedenen US-Präsidenten und argumentiert, insbesondere die Republikaner hätten Israel als strategischen Gewinn für die Vereinigten Staaten betrachtet. Inzwischen würden jedoch sowohl unter Demokraten als auch unter jüngeren Republikanern zunehmend kritische Stimmen laut, sodass Israel nicht länger als selbstverständlich unterstützter Verbündeter angesehen werde.
Nach Ansicht Kleiners habe Israel diese Entwicklung über Jahre hinweg unterschätzt. Dennoch glaubt er, dass weiterhin einflussreiche Kräfte an der Seite Israels stünden und den entstandenen Schaden schrittweise beheben könnten, sofern rechtzeitig gehandelt werde.
„Imperium des Bösen“
Unter der Zwischenüberschrift „Imperium des Bösen“ richtet der Autor seine Vorwürfe gezielt gegen Azmi Bishara und macht ihn für die Verschlechterung der amerikanisch-israelischen Beziehungen verantwortlich. Er behauptet, die Entwicklung sei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gut organisierten Strategie eines entschlossenen Gegners.
Kleiner schreibt, dieser Gegner habe „ein Gesicht und einen Namen“ und befinde sich in Katar. Er bezeichnet Bishara als den geistigen Kopf hinter den katarischen Bemühungen und behauptet, dieser habe ein Netzwerk aus Forschungszentren, Instituten und Fachzeitschriften aufgebaut, das darauf ausgerichtet sei, Israels Ansehen in der westlichen Welt – insbesondere in den USA – zu schädigen.
Darüber hinaus behauptet der Autor, Bishara verfüge über nahezu unbegrenzte finanzielle Mittel aus Katar und habe damit ein weitreichendes Netzwerk aufgebaut, das nach seiner Darstellung gefährlicher sei als die Tunnel der Hamas. Zur Untermauerung verweist er auf Bisharas Kandidatur für die Knesset im Jahr 2002 und dessen damaligen politischen Einfluss.
Abschließend fordert Kleiner einen kompromisslosen Kampf um die öffentliche Meinung. Er ruft dazu auf, jüdische Organisationen, evangelikale Unterstützer Israels sowie Experten für soziale Medien zu mobilisieren, um die internationale Unterstützung für Israel zurückzugewinnen.
„Gefährliche Hetze“
Der Leiter des Israel-Studienprogramms am Madā al-Karmel Center, Amtans Shehadeh, erklärte gegenüber der Nachrichtenseite Al-Araby Al-Jadeed, Israel sei vom Rückgang seiner Popularität in den USA überrascht. Anstatt jedoch seine Politik kritisch zu hinterfragen, suche die israelische Führung nach externen Schuldigen.
Shehadeh betont, dass die israelische Darstellung jahrzehntelang die Wissensproduktion über den Nahostkonflikt in den USA geprägt habe. Heute entstehe jedoch zunehmend ein alternatives arabisches Narrativ, das dieser Dominanz widerspreche. Er hält den im Artikel behaupteten Einfluss Bisharas zwar für übertrieben, sieht den Bericht jedoch als Versuch, Erklärungen für den internationalen Ansehensverlust Israels im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen zu liefern.
Nach seiner Einschätzung richtet sich die Kampagne nicht nur gegen Bishara und Katar, sondern könnte auch dazu dienen, vor künftigen Wahlen Stimmung gegen arabische Parteien und Institutionen innerhalb Israels zu machen. Er bezeichnet dies als eine ernstzunehmende und gefährliche Form der politischen Hetze.
Shehadeh erwartet zudem, dass Israel künftig verstärkt akademische und politische Kampagnen gegen katarische Institutionen sowie gegen die von Bishara gegründeten Forschungs- und Bildungszentren führen werde. Seiner Ansicht nach bereite die öffentliche Debatte den Boden für mögliche praktische Maßnahmen.
Abschließend erklärt Shehadeh, dass Azmi Bishara auch fast zwanzig Jahre nach seinem erzwungenen Verlassen Israels die israelische Politik weiterhin beschäftige. Als Grund nennt er dessen wissenschaftliche und intellektuelle Arbeit, die alternative Perspektiven auf den Nahostkonflikt sowie Kritik an der israelischen Politik und der amerikanischen Unterstützung Israels verbreite.







